Gutes literarisches Näschen

26. Oktober 2009, 14:57 | Von: Henrike Fleischmann | Kategorie: Allgemein | Keine Kommentare

Vergangenen Woche, am 20. Oktober 2009, las die frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller in Freiburg. Eine Nobelpreisträgerin in Freiburg. So kurz nach der Verleihung des Preises. Nichts wie hin! 1.000 Literaturinteressierte waren der Einladung gefolgt. Der Veranstaltungssaal war ausverkauft. Ein „Literatur-Event“ mit enormem Zulauf. Nicht das rege Interesse an der Schriftstellerin fasziniert mich, sondern die Geschichte, die sich hinter dieser Lesung verbirgt.  Denn da bewies jemand schon weit vor dem 8. Oktober 2009 ein gutes literarisches Näschen.Der Freiburger Buchhändler Michael Schwarz liest den neuen Roman „Atemschaukel“ von Herta Müller. Das Buch berührt ihn zutiefst. Und so lädt er im Juli 2009 die Schriftstellerin zu einer Lesung nach Freiburg ein. Einen Termin mit der für viele unbekannten Autorin zu bekommen, ist nicht schwer: Vorgesehen ist der 20. Oktober 2009. Schwarz lädt ein zur Lesung in ein 100 Personen fassendes Weingut. Am 8. Oktober 2009 wird Herta Müller mit dem Nobelpreis für Literatur 2009 ausgezeichnet. Und nicht nur für die Schriftstellerin sondern auch für den Buchhändler ändern sich rapide die Vorzeichen. Michael Schwarz reagiert schnell. Kurzfristig muss ein größerer Veranstaltungsort organisiert werden. Denn das Interesse an der Lesung ist ungebrochen. Die Telefone stehen kaum still. Innerhalb von drei Tagen sind die 1.000 Karten ausverkauft. Und dann liest sie, die frisch gekürte Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, in Freiburg, im Paulussaal.

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